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Brotherhood of Azeroth — World-of-WarCraft-Gilde der Allianz

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Der Namenlose - Kpt.1 Die Glückritter

Die Taverne » Rollenspieler Gaststube

#1:

Anyndir

Wanderer

Points: [480]

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Der Namenlose

von Tito Wulgaru

Kapitel 1 - Die Glücksritter

- Noch ahnt es keiner, was er bald wissen
Noch bleiben sie im Ungewissen
Warum das das Rad des Gottes Jahn
Sie an der Achse hält doch dann

- Verschließen sich nicht mehr die Türen
Und man schickt sie durch die Fluren
Wo auf sie wartet deren Wahn
Doch auch ihr Schicksal haftet dran

aus der Aus der Prophezeihung des Sevengates Wächters



1.1 - Prolog - Und dann ging er durch die Hölle

Unausstehlicher Gestank, der schon bereits Förmlichkeit anzunehmen schien, drang in seine Nasenhüllen. Er kannte diesen Geruch, er kannte ihn und es gab nichts was er mehr verabscheute, nichts was sich in seinen schlimmsten Träumen abspielte kam diesem Geruch gleich. Verbrannte Haare ... verkohlte Haut, doch es war mehr. Dieses Etwas dass nicht jedermann vermochte wahrzunehmen, nicht bevor er es verursachte und dabei am Leben blieb. Der Geruch des Todes. Des Boten der das Schicksal eines Jeden bereits schon vor der Geburt besiegelte. Nichts kam diesem Empfinden - dieser Mischung aus Reue, Verzweiflung, Schmerz und Pein gleich. Als würde man die Büchse Pandoras direkt in seinem Herzen tragen, sich dessen bewusst sein dass sie sich eines Tages öffnen würde um die ganze Welt in Leid und Verderben zu stürzen.
Wo bin ich? Was ist passiert? Und wieso bereitet dieser Geruch mir so große Pein?.
Er konnte sich nicht bewegen. Mit zuckenden Lidern, verzweifelt und versuchend endlich seine Augen zu öffnen um die unerträgliche Dunkelheit ein für alle Mal zu verjagen, überkam ihn Panik.
Ist das ein böser Traum? Wenn ja dann will ich aufwachen ... sofort!.Wieso war niemand hier um ihm zu helfen. Er, von allen geliebt und verehrt, war in der Dunkelheit eingesperrt, hilflos diesem unerträglichen Gestank ausgeliefert.
Dann werde ich einfach hier liegen und warten bis mich jemand holt. Ja das ist es, ich muss um Hilfe schreien!
Er wollte die Stille verjagen und endlich seinen Platz unter den Lebenden einnehmen, doch die panikbereitende Ruhe wollte nicht kehrt machen.
Das ist nicht wahr. Das kann nicht wahr sein! Was ist nur mit meiner Stimme los, wieso bekomme ich keinen Ton heraus. Bei den Göttern wieso will mir keiner helfen!?
Die Panik schlug in kalte, frierende Verzweiflung um. Niemand ist hier. Niemand wird helfen. Keiner interessiert sich für das Schicksal dass ihm zuteil wurde. Der Tod der den Lebenden ihr Handwerk zur Hölle machte, hat nun auch ihn eingeholt. Alle Kraft war dahin, er konnte nicht mehr.
Ist es das Ende? Das kann nicht das Ende sein! Ich will doch leben, ich muss leben, muss noch soviel tun, soviel erfahren, unzählige Taten begehen. Das ist mein Schicksal und ich werde kein Anderes akzeptieren. Nichts in der Welt kann mich um mein Leben bringen, nicht so, nicht hier, nicht in diesem Augenblick ... ich muss aufstehen, muss kämpfen, dazu bin ich da, nur dazu und Nichts und Niemand kann mich dabei aufhalten! ICH MUSS AUFSTEHEN!

Das entstellte Gesicht der Landschaft vereiste einen Jeden der so tapfer war seine Augen auf dies verdorbene Land zu richten. Zerschmetterte Rüstungen die einst so stolz in der Sonne glänzten, beherbergten nur noch tote Häupter derer die an diesem scheußlichen Tag ihr Leben in der Schlacht ließen. Wird sich jemand derer erinnern die heute um ihr Leben kämpften? Nicht etwa um ihr Land, oder den Ruhm. In diesem Krieg gab es nichts heroisches - heldenhaftes, nichts poetisches, nur das nackte Überleben. Und viele, zu viele die dies begriffen weilten nun nicht mehr unter den Lebenden.
In den roten Pfützen des vergangenen Regens und des Blutbades das am vorigen Tage hier stattfand, versuchten die wenigen Überlebenden verzweifelt einen Sonnenstrahl aufzuspüren. Die zermalmten Grasshelme, durch Blut getränkt fanden keine Wärme im eisigen Nebel der sich über dem Land wie ein Leichentuch ausbreitete. Doch etwas sollte noch an diesem Orte geschehen. Etwas das nicht einmal die Götter vorausgesehen oder geplant haben. Etwas das dem Feinde an diesem Tage missfiel.
Aus einem früh erloschenen Scheiterhaufen kam nach und nach eine Gestalt hervor. Die blutroten Haare und das kohlenverschmierte Gesicht deuteten darauf hin dass er sich bereits länger in dieser Situation befand. Seine Tränen prallten auf die Gesichter und Harnische der Toten unter ihm. Keuchend versuchte er seine Beine zu lösen und offensichtlich war die Panik dabei, sein einziger Begleiter. Hastig um sich schlagend stöhnte der Unbekannte vor Erschöpfung bis er die Augen aufriss.
All diese Menschen. Sind sie etwa tot?
Mit Äxten gespaltene Schädel, abgetrennte Körperteile, Pfeildurchsiebte Leichen. War all dies auch sein Werk? Nein, das konnte nicht sein. Zu so etwas wäre er nicht im Stande. Hastig fiel der Blick auf sein eigenen Körper. Das größtenteils zerfetzte Hemd, stach überall aus seiner Kettenrüstung hervor und dort wo einst ein Umhang war, hingen nur noch lose Fetzen eines Banners. Dieses Banner!
So viele Erinnerungen ... diese Männer tragen das Gleiche! Doch wieso bin ich noch am Leben? Wieso sind sie alle tot ... ich will endlich aufwachen! Nicht mehr diesem schrecklichen Traum verfallen! Die Dunkelheit breitete sich wieder über die Augen, ein dumpfer Schlag auf den Hinterkopf ... und es war still.


1.2 - Die Ruhe vor dem Sturm

Dort lag sie! In all ihrer Ehrfurcht einflössenden Schönheit und Pracht! Die Stadt von Amn, der Traum eines jeden Königs und sonst jedermann der sich im Klaren war, was für eine Macht diese Stadt an der westlichen Küste genoss und in vollen Zügen auskostete.
In mitten dieses Kollosses sah man riesege Gemäuer der Feste Tileas, aufgeteilt in vier Zwinger, jedes so stabil wie ein Felsen galt sie seit ihrem Bau als uneinnehmbar. Schon zuviele Völker sind bei dem Versuch gescheitert die letzte Feste der Elfen in die Knie zu zwingen. Das schöne Volk traute sich gar zu behaupten es wäre das älteste Bauwerk das ihre Stämme je erbaut hätten und wenn man sich an die endlosscheinende Geschichte dieser entsinnte, hatte diese Behauptung durchaus einen Hauch von Wagniss und Stolz. Noch bevor ihre ersten Schiffe aus dem Osten in Pelagiat anlegten, gab es keinerlei Zivilisation an diesem Fleckchen Sheherazads (wie es die Nascardier tauften). Der Grossteil der Bevölkerung waren entweder Jäger oder Bauern und nur Nascardu wies soetwas wie eine Streitmacht auf die sich auf hundert Mann beschränkte. Hauptsächlich mit Bogen und Steinaxt bewaffnet, hatten sie nicht viel entgegen zu setzten, also verhandelte man. Seither festigten die Elfen ihre Existenz in Alundria (so wie sie es tauften) mit gewaltloser und doch globalisierender Handelspolitik. Durch ihre neuen Güter die sie aus den Heiligen Ländern mitbrachten, machten sie die restlichen Völker von ihnen abhängig und vertraten schon nach dreißig Jahren eine machtbewusste Stellund in jeder Provinz des Kontinents. Doch die Zeiten änderten sich, noch war lange nicht alles auf Alundra vom schönen Volk ergriffen worden. So kam es dazu dass die Rimmersmänner den bisdahin unbeschreitbaren Pass der Frostmark überquerten und eine wichtige Rolle in der Machtergreifung des Landes übernahmen. Man wusste unter sich dass es unbedingt notwendig war einige Verbündete auf die eigene Seite zu schlagen um seine Stellung im Lande zu sichern bevor ein eigener Staat kriert werden konnte. Das alles wäre kaum möglich gewesen, wenn nicht noch etwas den nördlichen Pass überquert hätte. Die Rimmersmänner aus dem Acht Feld Plan hüteten seit geraumer Zeit ein Geheimniss, nur sie beherrschten die Kunst das Stahl zu formen und zu bearbeiten. Durch diesen ungeheueren Vorteil gegenüber dem Machtkollos des schönen Volkes sollte sich das Schicksal im Lande erneut wenden. Nach hundert Jahren Unterordnung, was nicht unbedingt in der Natur des stolzen nascardischen Volkes lag, gewannen sie einen einzigen und dennoch sehr wichtigen Verbündeten, den Westmensch aus Nascardu. In kurzer Zeit wurden alle Handelswege gesperrt und Wachen im ganzen Westland verteilt, die elfischen Magister und Herzöge wurden vertrieben und das Land begann sich für einen Krieg zu rüsten. Die elfische Regierung, empört über das dreiste und undiplomatische Verhalten des westlichen Volkes jedoch nicht in der Gewissheit über die Ankunft der Rimmersmänner, entsanndte mehrere Garnisonen in Richtung des nascardischen Reichs. Der Krieg dauerte ungewöhnlich kurz, nach dem sich das elfsiche Volk über den Vorteil ihres Gegners bewusst wurde, nachdem es sah wie ihre Pfeile von den stählernen runden Schilden der Rimmersmänner abprallten und wie ihre Sithinlanzen von den Langschwertern des Feindes gespaltet wurden, nahmen sie kurzer Hand eine Niederlage hin und man erklärte bereits nach wenigen Wochen Nascardu zu einer unabhängigen Republik.
Die Rimmersmänner, das feucht-warme Klima des Westen nicht gewohnt, zogen wieder Richtung Norden. Ohne zur Frostmark zu gelangen setzten sie sich nahe der Bergen nieder und begannen ihren eigenen Staat zu gründen und die Beziehungen unter den restlichen Völkern zu pflegen. So, nach vielen Jahren des Friedens ging das Geheimniss über die Verarbeitung des Stahl im Lande herum und jede Kultur begann ihre Geschichte von neuem zu schreiben. Und irgendwo in dieser Zeit etstand auch die Perle des Südens, die Stadt von Amn mit ihrer sagenumwobenen Feste Tileas.

"Herr?" Titus bäugte sich über das Bett im Gemach des Kommandants. "Wacht auf Herr! Wacht auf!". Der junge Offizier war es nicht gewöhnt sich auf diese Weise seinem Vorgesetzten zu nähern, ausserdem verrieten ihm die Umstände in den sich das Zimmer befand etwas zuviel von der Privatsphäre des Herrens. Davon zeugten die zwei Bauernmädchen neben ihm und der Geruch alvarischen Weines der wie eine Dunst ihm Raum herrschte. "Der Bote ist zurückgekehrt Herr! Wacht auf!".
Nafendel rührte sich endlich und gab einen Laut der nur auf eines die Vermutung des Störenfriedes lenken konnte, den vortäglichen Abend den er scheinbar nicht nur bei sich im Zimmer verbrachte. "Bei Trithins Gebeinen, Titus!" müde fasste er sich ins Gesicht und blickte vergebens in Richtung des geschlossenen Fensters auf der Suche nach den Sonnenstrahlen. "Ich schwöre dir ... wenn es nicht wichtig ist dann lasse ich dich köpfen!".
Der Offizier zuckte kurz mit der Wimper als würde er sich den Schwur gerade bildlich ausmahlen, doch sein Vorhaben lenkte ihn zurück in die Realität. "Der Bote mein Herr! Der Bote den ihr entsandt habt, er ist zurückgekehrt ... es sieht nicht gut aus Herr. Ihr solltet mit nach unten kommen."
Der Schlafende fuhr ruckartig auf und starrte fassungslos in das Gesicht seiner Ernüchterung als müsste er erstmal seine Gedanken sammeln. Mit einem Gesichtsausdruck der mindestens genauso ahnungslos rüberkam, sprang er auf die Bettkante. "Ist es schon Morgen?".
Ein weiterer Faktor der dem frischgebackenen Offizier die Gerüchte aus der Kaserne über seinen Vorgesetzten bestätigte, "Es ist ... bereits Nachmittag Kommandant."
Hastig zog Nafendel sich die hellblaue Tunika über und legte seinen Grütel um. "Reich mir die Hose Titus."
Schnell holte der Offizier die Hose von der Stuhllehne und überlegte sich dabei Prioritäten zu setzten. Wo würde er mit seiner Karriere hinkommen wenn sein Vorgestzter ihm die Aufgaben eines Dienstmädchens übertrug. Es kam ihm sogar beinah lachhaft vor was für ehrgeizige Ziele er vor dem Bekleiden seines Amtes hatte. "Der Bote sagt er wolle nur mit ihnen sprechen Herr, daraus schließe ich dass die Lage ernst sein muss."
"Das Denken überlässt du bitte mir Offizier!". Nafendel der von Haus keine Höflichkeiten mit seinen Untergeordneten austauschte, sah die Lage seines Offizier ganz anders. Er wusste dass der junge Titus eine Menge Potenzial zu Tage brachte, jedoch wenn man alles mit Samthandschuhen anfasst, wo würde dann die alvarische Garde hinkommen? Während er sich die Stiefel anzog überlegte er den Jungen vielleicht doch länger zu behalten. Seit langem hatte man keinen solchen Ehrgeiz in seinen Reihen vernommen, wenn er sich nicht entrüsten lässt würde er vielleicht sogar ein Empfehlungsschreiben austellen dass ihm zu einer Beföderung verhelfen konnte, aber das lag noch in all zu ferner Zukunft. "Na los, komm! Sehen wir uns mal an was der Bote zu berichten hat."

"Aber mein König! Die Dreistigkeit der Rimmersmänner steht ausser Frage, auch ihren Ehrgeiz haben sie uns schon oft genug bewiesen, auch wissen wir dass dieser sie genausogut ins Unglück stürzen kann aber die letzten Ereignisse lassen darauf schliessen dass dies keine ihrer üblichen Launen an den Grenzposten darstellt. Sie versuchen entschieden ihre Ländereien auszuweiten und das mit Erfolg! Noch vor einer Woche gehörte Trithinsfeld zur alvarischen Allianz, wenn wir solche Waagnise weiterhin erdulden, könnte uns dies zum Verhängniss werden und zwar nicht nur in den Handelsbeziehungen zwischen den Ländern. Auf Trithinsfeld hatten wir keinen Sitz, dass weiss das Nordvolk und so wird es auch weiterhin vorgehen. Was ist aber wenn sie jedes neutrale Land sich unter den Nagel gerissen haben? Dann vergreifen sie sich an unseren!". Thilin a' Deon, einer der Grossherzoge Falshire’s und auch persönlicher Berater des königlichen Hauses von Alvar beugete sich vor seinem König. In seiner schwarzen Samtrobe und dem mit fein übersehten Mustern die auf seinen Urtum des Hernystirvolkes deuteten, streckte er die Hände bittend zum Herrscher über das alvarische Reich aus. Jeder in dem riesegen Thronsaal anwesende, mochte sich das gleiche fragen wie der König selbst "Was hat diesem Mann seinen ungebrochenen Stolz genommen? War es nicht er der erst kürzlich bei der Ratsversammlung dem Nordvolk keine Beachtung schenken wollte? Was verheimlichte dieser Mann, er muss noch etwas wissen das er ganz offensichtilich nicht auszusprechen vermag."
Der alte König, der sich für seinen Ursprung schon immer mit einer ungewöhnlich grossen und schulterbreiten Statur auszeichnete, sass geduldig auf dem uralten hölzernen Thron. Sein Gesicht, mit unzähligen Narben gezeichnet war etwas dass keiner von seinen Untertannen jemals verstehen würde. In schlimmsten Zeiten unbekümmert, in den besten Zeiten zugleich. Nichts aber auch wirklich garnichts verriet auch nur eine Anfälligkeit von Besorgniss und so regierte er mit grossem Geschick und starker Faust sein Königreich bereits seit dreihundert Jahren.
Nach langem Überlegen erhob er sich von seinem sitz und machte mit einem Blick dem Sprechenden klar das Gleiche zutun. "Ehrenwerter Thilin, euer Kummer ist durchaus begründet, auch verstehe ich die Besorgniss der Händler in euerem Reiche die zweifellos eine schlimme Zeit durchmachen doch ist es nun seit über zweihundert Jahren mit einem Pakt erschlossen worden dass die neutralen Länder die nicht direkt mit dem Handelsring der Allianz in Verbindung stehen, freie Wahl haben, vor welchem Hause sie ihr Knie beugen. Es wird nicht möglich sein, darin einzugreifen ohne das Aufsehen von Hernystir und Nascardu zu erregen was ich in jederlei Hinsicht verhindern möchte. Während sich die beiden Länder von ihrem letzten Kriege erholen wäre es das letze was wir brauchen, und zwar einen Mertyrer auf dem Feld. Dadurch würde uns einiges an Vertrauen und somit auch Macht entgleiten und bei den Göttern, die Zeiten sind schon schlimm genug".
Der nun aufrecht stehende Thilin a' Deon musterte nachdenklich den Boden. Sein Gesichtsausdruck ähnelte einem verlorenen Kind das in einer ihm unbekannten Sitaution nicht wusste was zutun war.
Das wird mir noch eines Tages Kopf und Kragen kosten. Dieser bedrückende Gedanke schoss wie ein Pfeil und durchbohrte seine Abwesendheit. Ich werde es ihm sagen müssen ... doch nicht jetzt. Ich muss auf den richtigen Zeitpunkt warten um nicht zuviel Aufsehen zu erregen. "Sehr wohl Majestät. Ich werde die Garnison sofort zurückziehen wie ihr befiehlt."
Sein Blick schweifte über den Saal bis zum grossen Eingang der Halle. Dort kniete geduldig auf das Wort wartend ein Kommandant, begleitet von seinem Offizier und einem weiteren Mann aus dem er nicht schlau wurde.
Elus Gileantin der alte König schien die drei Ankömmlinge nun auch bemerkt zu haben und rief sie herbei, dabei machte er Thilin mit einem kurzen Handzeichen deutlich sich auf seine Seite zu gesellen.
"Euer Majestät!" setzte Titus an während er sich noch verbeugte, die beiden anderen gingen in die Knie. "Erst kürzlich entsandte ich einen Boten zu den Grenzposten von Gorhem, dieser sollte unserer vierten Garnison den Befehl überbringen sich zurück auf Tileas zu ziehen. Doch die Gerüchte erwiesen sich im letzten Augenblick doch als wahr."
Elus Miene wie immer unverändert blickte zu Boden. "Wie gross sind die Verluste?"
"Euer Majestät, ich bedauere ... die vierte Garnison ist gefallen, es hat niemand überlebt." Titus der schon ohne hin ausserordentlich besorgt zu sein schien, fiel nun ebenfalls zu Boden. Sein Dehmut über diesen schrecklichen Verlust und die Trauer waren ihm förmlich aus dem Gesicht zu lesen.
Nach einer langen Weile des Schweigens brach Tumult in den Hallen auf. Alle Herzöge und Berater, Beauftragte und Gesandte schienen in etwas verfallen zu sein dass man in diesem Augenblick nur mit Panik vergleichen konnte, nur dass sie diese in Worte fassten.
Gileantin schlug gegen die Thronlehne und in wenigen Sekunden verstummte der Saal wieder. "Kommandant ... Beruft sofort alle Kriegsoberhäupter und deren Truppen die uns zu Verfügung stehen, ohne die vierte Garnison der Garde sind wir vollkommen schutzlos dem Feind ausgelieftert ... wer auch immer er sein mag."

1.3 - Träume und Erinnerungen

Es war schön wieder Zuhause zu sein. Vertraute Gerüche und Laute die stets einen umgaben, verliehen ihm das Gefühl der Geborgenheit. Das alte Wasserrad neben dem Haus, angetrieben von einem großen Rinnsal, quietschte durch alle Räume des Hauses. Und während Mutters Gebäck einen leichten Hauch von Zimt und Zitronen in die Luft mischte, roch man bereits Vaters Pfeife die er in einer dahinvegetierenden Haltung am Nachmittag zu stopfen pflegte. Gleich würde es Essen geben, das hieß - er und sein Bruder würden wieder um die Wette laufen. Wer wird wohl heute das größte Stück am Tisch abstauben.
Einmal, als wir wieder durch das Haus tobten war Vater bereits vor uns da und beanspruchte mit einem schadensfrohem Lächeln das Essen für sich.
Es war schön eine Kindheit zu haben. Vor allem weil man bereits in dem Alter wusste dass es nicht jedem zuteil wurde diese Glückseeligkeit zu erfahren. Sowie Tipo es tat.
Es scheint schon eine Ewigkeit her zu sein doch ich erinnere mich immer noch als ich den Kleinen zum ersten mal mit seinem Reptil durch die Strassen rennen sah, verfolgt von einer Schare wütender Händler die ihr Handelsgut beanspruchten. Er hatte keine Wahl, zu jung um eine Arbeit zu finden und zu alt um adoptiert zu werden. Also türmte er eines Tages aus dem Pflegeheim und wurde fort an sein "eigener Herr", wie er es immer zu sagen pflegte. Anfangs, ich weiß noch konnte ich ihn nicht besonders gut leiden. Es kam mir so vor als sei er immer einen Schritt voraus, doch später begriff ich dass es nicht anders ging. Er war es gewöhnt auf alles vorbereitet zu sein, das hatte ihn das Leben gelehrt und so wurden wir eines Tages Freunde.
Ich lud ihn ab und an nach Haus zum Essen ein damit er wenigstens für einen Tag der Peitsche entgehen konnte. Und er tat immer so als würde ihm das ganze nicht gefallen und dass er es nur meinetwegen tat. Mein Vater hielt nicht viel von dem Jungen, er war wohl ein Mann seiner Zeit aber meine Mutter lernte ihn mit der Zeit gut leiden.
Und als wir das Mittagessen vertilgten, bei den Göttern haben wir gut gekämpft. Niemand, aber auch wirklich niemand konnte uns in der Strasse das Wasser reichen. Stets in der Unterzahl, bezwangen wir jeden Feind der sich uns in den Weg stellte. Wir kannten jeden Winkel, jedes kleine Versteck dass uns so manch einmal das Leben rettete. Alles was man uns verbat, wurde zu einem neuen Abenteuer, unsere Neugier kannte keine Grenzen.

Wieder dieser Gestank, er ging ihm durch Mark und Bein. Und diese Gesichter, alle so bleich wie der Nebel der sie umgab. Sie hatten keine Augen, keiner von ihnen. Die meist bis aufs Letzte entstellten Gestalten gingen auf ihn zu. Vernarbte Wangen, aufgeschlitzte Kehlen, teils gar mit der offensichtlichen Ursache - einer riesigen Axt die noch an beliebigen Stellen zu sehen war sah man ihr Leid. Als hätten sie längst den Kampf um ihren Geist aufgegeben und den unzähligen Legionen der Toten verfallen, die das Reich Mogad beherbergte. Die ständige Qual und der unaufhörliche Wahnsinn schienen sie immer noch zu plagen und so waren sie voller Neid. Neid der sich an den Rest des Lebens richtete.
Ständig flüstern sie etwas, doch ich kann es nicht verstehen. Ihre Stimmen rufen mich. Sie rufen meinen Namen!
Ich kann mich nicht erinnern. Wer sind sie alle? Was wollen sie von mir? Ich meine ihre Gesichter zu kennen doch die Wahrheit scheint durch einen hauchdünnen Schlayer verdeckt zu sein. Ich habe Angst ...
Er drehte sich um und rannte. So schnell er kann, rannte er in den dichten Nebel der sich endlos hinzuziehen schien. Das Geflüster wurde immer lauter und stärkte die Angst. Er wollte schreien, sich die Seele aus dem Leib brüllen, endlich die furchtbare Angst verjagen die ihm auf den Fersen zu sein schien. Doch die Wahrheit lies ihn stumm. Wie ein riesiger Brocken drückte sie auf seine Lungen, entstelle sein Stolz und brach erneut seinen Willen. Er konnte nicht mehr laufen, er wollte es nicht mehr. Einfach nur hinlegen und sterben, das war sein Wille. Endlich die Ruhe erfahren die er zuvor noch genauso fürchtete.
Stolpernd fiel die Gestalt hin und blieb liegen. Die Stimmen wurden lauter und lauter so das sich Geflüster in ein schreckliches Ritual wandelte.
"Du hast uns verraten! Deinetwegen sind wir tot! Willst du wissen wie es ist durch die endlosen Quallen von Mogad zu wandern? Wir werden es dir zeigen.
Komm, komm zu uns! Schließ dich uns an. Du kannst nicht ewig vor deinem Schicksal fliehen. Es holt dich immer wieder ein."
Die Gestalt schaute auf, blickte zurück. Die von unvorstellbarem Schmerz gezeichneten Krieger schienen nur noch näher gekommen zu sein. Noch wenige Schritte und sie hätten ihn. Das durfte nicht passieren.
Durch Tränen genässte Augen erkannten an schwaches Schimmern. Wie ein letzter Hoffnungsfunke, ein Pfeil von Veränderung der sein Herz durchschlug wurde dieses Schimmern zu einem grellen Licht dass alles um sich herum flutete. Die Stimmen verschwanden und das Licht verschluckte sein Haupt wie ein hilfloses Insekt.

Nein lasst mich in Ruhe! Ich habe euch nicht verraten! Lasst mich endlich in Ruhe!
Er befand sich wieder auch dem Schlachtfeld. Nun umso mehr in Panik und Verzweiflung sprang er auf und drehte sich hastig in alle Seiten.
Es war nicht sein Werk, damit hatte er überhaupt nichts zutun. Er musste wieder laufen, rennen, um sein Leben musste er rennen. Vorbei an all den Gräueltaten, gefallenen Batallionen und zerbrochenen Rüstungen. Vorbei an brennenden Katapulten und der Kriegsmaschinerie. Vorbei an reiterlosen Pferden die genauso entstellt waren wie ihre toten Herren.
Wird dass denn niemals ein Ende haben. Ist etwa die ganze Welt diesem Antlitz gleich? Wer hatte überhaupt das Recht so etwas zutun. Zu entscheiden wer am Leben bleibt und wer sterben sollte. Nicht einmal die Götter vermögen dieses Recht in Anspruch zu nehmen. All das Leid, sie waren alle tot und es gab keine Helden. Niemand außer ihm hatte offenbar dieses Massaker überlebt.
War er etwa ein Feigling? Hat er sich versteckt während der Feind all dies anrichtete? Wieso war allein er der noch das Privileg auskostete am Leben zu sein.
Tausende von Gedanken schwirrten durch seinen Kopf während die Toten ihn ansahen. Sie sagten ihm Förmlich dass er es nicht verdient hatte am Leben zu sein und vielleicht hatten sie auch Recht. Er konnte nicht schreien und ihn würde auch niemand hören. Wohin soll es gehen? Ganz egal, Hauptsache weg von diesem schändlichen Ort. Was auch immer es verursacht haben könnte, er wollte nichts damit zutun haben.
Es schien sich bereits um Tage zu handeln während er durch den Nebel dem Ungewissen entgegen lief. Es war so kalt, so fürchterlich kalt. Als würde der Tod diese unerträgliche Kälte verursachen.
Die Rüstung vom Leibe gerissen und den Ärmel seines Hemdes abgetrennt das er sich vor die Nase hielt erkannte er vertraute Sillhouette am Horizont.
Bäume! Da vorne sind Bäume! Ich kann sie sehen!
In der Ferne wo sich der Nebel endlich zu lösen schien, gingen tatsächlich baumähnliche Silhouetten auf. Endlich ein Ziel vor Augen, nahm sein Gang zu.
Wie es sich herausstellte, war das Antlitz des Waldes dem Schlachtfeld gleich. Nur die Art zu sterben schien hier vielfältiger. Davon zeugten die lose an den Ästen hängende Häupter und auf spitzen Pfählen aufgespießte Leichen. Doch es musste etwas Anderes geben. Etwas wofür es sich zu leben lohnte. Oder etwa nicht? Würde er den Rest seines Lebens damit verbringen durch die Zwischenwelt von Tod und Leben zu irren?
Der Schritt verlangsamte sich, während seine Augen in die Höhe blickten. Riesige Spitzen ragten dem Himmel empor und versteckten sein Antlitz. Alles drehte sich und verschwamm nach und nach bis es wieder dunkel wurde. Er fiel erneut in Ohnmacht.


1.4 – Die Grallsdiebe

Leise schritt er durch das vom Moos überwucherte Gewölbe die steinkalte Treppe hinunter. Schritt für Schritt auf jedes Steinchen achtend um keine ungewollte Aufmerksamkeit zu erregen, kam Azador seinem Ziel näher.
Pitlith, leichten Fußes ihm stets auf den Fersen reichte dem Führenden eine Fackel die er aus der Halterung an der Wand löste.
Mit einem argwöhnischen Blick wies Azador seinen Begleiter darauf hin dass sie unbemerkt bleiben wollten, worauf sein Freund die Augen verdrehte und die Fackel ihrem Ursprung überlies.
Die Treppe schien sich endlos hinzuziehen, was die Geduld der Diebe erheblich auf die Probe stellte. Doch die Konzentration musste beibehalten werden wenn sie hier lebend wieder rauskommen wollten.
Es war kein leichtes Unterfangen, in die hiesige Schmugglergilde einzubrechen und dabei stets im Schatten zu bleiben. Doch wenn der Einbrecher an die tagelange Verfolgungsjagd dachte (wobei er auch ungesehen blieb) und die darauf folgende Beschattungsaktion die sich einen weiteren Tag einforderte, wäre es überaus schwachsinnig gewesen hier die Geduld zu verlieren und drauflos zu stürzen.
Was ihm jedoch am meisten Kummer bereitete waren die Fledermäuse. Ihre Schritte waren zwar geistesähnlich leise, doch der für ein elfischen Ohr, laute Atem seines menschlichen Begleiters gab ihm keine Ruhe und bei den Göttern, es wäre nicht das erste Mal gewesen wenn sie deswegen ertappt würden.
Der verstärkte Luftzug wies auf das langersehnte Ende des Ganges hin, es schien sich bereits um Stunden zu handeln. Wie es sich herausstellte war das Versteck eine uralte Höhle die in die Bucht hinauszuführen schien. Azador nahm weit unten Stimmen wahr ... es war Gesang! So grauenhaft es auch war, es war doch Musik in den Ohren des Elfendiebes.
Typisch. Dachte der er. Bevor die Beute verschifft wird, müssen natürlich die letzten Fässer Wein geleert werden. Das machte sein Unterfangen um einiges leichter.
Die Höhle hatte tatsächlich einen direkten Ausgang in die Bucht. Gerade noch so groß dass sie ihre Zehnmann-Boote darin verbergen konnten. Eine improvisierte Treppe führte direkt zum hiesigen Saufgelage hinunter und die Stalagmiten die wie riesige Säulen bis zur Decke reichten, waren auf der anderen Seite der Höhle. Zuwenig Schutz, die Treppe kam nicht in Frage.
In die Hocke gegangen, sah Pitlith sich in der Höhle um während Azador nach der Beute Ausschau hielt. Es waren nicht nur Schmuggler, es waren Piraten. Das gefiel ihm ganz und gar nicht. Piraten in der Black Mark zu bestehlen war Pitlith eine Nummer zu groß, also beschloss er vorerst die Klappe zu halten.
Einer der Männer hatte offensichtlich die Fassung verloren und griff nach seinem Krummsäbel während zwei weitere auf ihn zugingen. Der Kapitän schien nicht anwesend zu sein und der Bootsmann war zu betrunken um die Auseinandersetzung wahrzunehmen. Azador wusste nur all zu gut was jetzt passieren würde.
Die beiden Männer zogen ebenfalls ihre Säbel und stürmten auf den Störenfried zu. Während der eine leicht nach rechts wich und so die Aufmerksamkeit des Opfers auf sich lenkte, wehrte der andere geschickt seine Klinge ab und schlug sie ihm aus der Hand. In Panik versetzt, ging der Pirat in die Knie und fing an zu betteln. Die beiden Anderen lachten über seine überaus peinliche Lage und versetzten ihm einen Tritt nach dem anderen.
Plötzlich griff etwas nach seiner Schulter. Hastig umgedreht, die Hand bereits am Dolchgriff erkannte er Pitlith.
"Bei meiner Seele, eines Tages bring ich dich doch um" flüsterte er hastig. Sein Freund erwiderte die Bemerkung mit einem sarkastischen Lächeln und wies ihn an mit ihm zu kommen.
Hinter einem Felsbrocken war ein kleiner Vorsprung der nur für einen Dieb begehbar aussah. Er führte direkt über das Wasser im Ausgang bis hin zu den Stalagmiten die Azador zuvor als Deckungsmöglickeit wahrnahm.
"Über dem Wasser dort drüber werden wir klettern müssen" flüsterte der Elf. "Glaubst du ... du schaffst das?".
Erneut mit einem sarkastischen Lächeln zurückgewiesen, tastete Azador die Gegend vor dem Vorsprung ab.
"Ich gehe zuerst, gib mir das Seil".
Den Lebensretter aller Diebe um die Schulter gebunden, wagte sich Azador zum Vorsprung vor.
Es stellte sich schwieriger heraus als er gedacht hatte. Die Steine waren alt und alles andere als begehbar. An manchen Stellen ging die Decke ihm bis an die Schultern so dass er sich in seiner überaus unsicheren Lage auch noch ducken musste um vorbeizukommen.
Wenn es anfängt zu bröckeln sind wir geliefert. Bei dem Gedanken dachte er an den Störenfried von vorhin und hielt kurz inne um zu lauschen. Den Blick eiskalt in die Tiefe gerichtet hörte er immer noch dasselbe Gelächter. Scheinbar hatten sie immer noch Spaß daran den Mann zu demütigen.
"Was ist los, geh endlich weiter!", Pitlith sah voller Ungeduld zu ihm herüber. "Wird's bald?".
Er setzte den Spießroutenlauf fort.

Sie standen kurz vor dem Abschnitt an dem sie sich über den Vorsprung hangeln müssten. Ein kurzer Blick zu Pitlith lies es ihm eiskalt über den Rücken laufen. Der schmächtige Dieb sah voller Furcht zum Wasser hinunter wo ein weiteres Boot zur Anliege segelte.
Es war der Anführer der Meute. Seine feinen Gesichtszüge deuteten auf seinen Ursprung hin jedoch war die Größe entscheidender. Ein in seiner Schmale doch kräftig gebauter Halbelf sah voller Argwohn dem Lager empor, während der Rest der Besatzung damit beschäftig war, zur Anliege zu manövrieren.
Die Augen wieder auf Pitlith gerichtet blickte ihn dieser voller Hoffnung auf die nächste Anweisung wartend an. Azador zuckte verärgert die Achseln und wartete ab.
Angelegt, schritt der Anführer langsamen Schrittes dem Rest seiner Mannschaft empor. Die beiden Sadisten legten ihre Beschäftigung kurz Beiseite und stieren den Kapitän voller Ehrfurcht an. Ohne einen Laut von sich zu geben drehte er dem Gelage den Rücken und ging zu den zwei die das kommende Gewitter bereits zu riechen schienen.
"Was habt ihr mit ihm zu schaffen Männer?" seine Stimme war so selbstsicher und unerschrocken wie die eines Mannes nur sein konnte.
"Er ... hat mich angegriffen Kapitän" sagte der kleinere der Azador ungewöhnlich an eine Ratte erinnerte.
"Ist das so?" Der Halbelf machte einen weiteren Schritt zum Opfer der beiden. "Weshalb hast du deine Klinge gegen einen Bruder erhoben?".
Der einst Betrunkene war nun so nüchtern wie nie zuvor "Ich ... ich ...".
"Geh mir aus den Augen!" ein kurzer Tritt und der Mann landete im Wasser. "Und ihr beiden! Werdet während der ganzen Fahrt keinen Happen zu Mund nehmen! Sperrt den Anderen in eine Zelle sobald wir an Bord sind! Und nun ran an die Arbeit! Packt alles ein, wir brechen in wenigen Stunden auf!".

"Na großartig! Was machen wir jetzt?" Pitliths Größe machte es ihm zu schaffen über eine Viertelstunde in dieser Lage zu verbringen.
Azador blickte immer noch unbewegt ins Lager wo die Meute das Hab und Gut in die Boote einlud. "Wir gehen nicht ohne den Kelch, das kann ich dir garantieren!" flüsterte er ohne den Blick abzuwenden.
"Gewiss oh Herr aller Diebe, dann verratet mir doch wie wir da rankommen sollen!?" Pitliths ständiger Sarkasmus nahm keine Rast.
"Sei endlich still und folge mir !“
Azador griff mit beiden Händen vorsichtig den Vorsprung und ließ sich auf Anhieb mit einer Umdrehung fallen. Pitlith folgte seinem Beispiel, etwas ungeschickt rutschte sein linker Arm am Felsen aus so das kleine Brocken ins Wasser fielen.
Azador verdrehte die Augen und hangelte sich mit unglaublicher Leichtigkeit den Stalagmiten empor, gefolgt von seinem Begleiter.
Ein kleiner Abschnitt an dem das Mondlicht die ganze Decke erhellte machte ihm zu schaffen, jedoch schienen die Piraten zu sehr damit beschäftigt zu sein die Reste des Weines einzuladen so dass sich die Beiden rasch daran vorbeigehangelt hatten.
Endlich im sicheren Schatten des säulenähnlichen Gesteins angekommen, schwang Azador mehrmals zur Seite und verlagerte das Gewicht dabei auf seine Beine. Mit einem Fuß den Vorsprung fassend, ließ er mit dem linken Arm los um sich damit oberhalb des Vorsprungs festzuhalten. Pitlith an seiner Stelle angekommen, blieb an Vorsprung hängen bis ihm Azador das Seil reichte.
Vom Schatten umhüllt konnten sie nun endlich wieder schneller agieren. Pitlith diesmal voraus, schnellen Ganges blieb er doch so still wie sein Partner und eilte dem Lager entgegen.
Wie es sich herausstellte, befanden sich mehrere Kisten hinter den Fässern. Azador wies seinen Partner mit einem kurzen Handzeichen die Aussicht zu halten während er hinter das Ladegut sprang. Er wusste nur sehr wenig über das Zielobjekt. Scheinbar hatte es einen hohen religiösen Wert. Ein Mann der sich als Sammler ausgab, überreichte ihm erst zwei Wochen zuvor diesen Auftrag als er und Pitlith sich in einer Schänke auf der Old Balada aufhielten und eigentlich vorhatten die Staatskasse der Insel zu plündern. Zugegeben er war etwas seltsam doch die hundert Goldkronen die er dafür bot machten den Argwohn und die geplante Aktion mehr als wett. Der Beschreibung nach musste es ein großer, verzierter Kelch sein, mit einigen Runen versehen. Der Dieb vermutete das sich ein solch wertvolles Stück nicht in einer Kiste aufhalten würde. Also ging er weiter.
Wie vermutet, stand das kelchartige und ungewöhnlich grosse Gefäß auf einem Fass dass dem Kapitän erst vor kurzem zu einer Mahlzeit als Tisch diente. Zum Glück war dieser gerade dabei seine Männer zu schikanieren und der Dieb nahm die Gelegenheit wahr. Dank seiner begrenzten Größe konnte er sich leicht hinter dem Fass verstecken. Ein kurzer Blick um die Ecke um sicher zu gehen dass er immer noch unbemerkt war, rollte er sich flink an der beleuchteten Stelle vorbei bis zum improviesierten Tisch und griff nach dem Kelch.
In ein Tuch eingewickelt dass er sich um den Rücken band spähte er erneut ums Fass herum. Die Meute schien immer noch kein Verdacht zu schöpfen. Bei den Kisten angelangt eilte er zu Pitlith der sich mittlerweile im Schatten hingelegt hatte und Ausschau hielt. Er stupste ihn an als Zeichen im zu folgen und machte sich auf dem Weg zum Seil. Dort angelangt merkte er dass seine Begleitung immer noch gemütlich auf dem Boden ausgebreitet lag.
Jeder Sinn und jedes Gespür schlug Alarm in seinem Körper. Pitlith lag nicht nur da, er war ohnmächtig. Rasch drehte er sich um und erblickte eine Klinge die direkt an seine Halsschlagader gerichtet im schwachen Mondschein aufblitze.


1.5 Nach der Hölle folgt der Wahnsinn

Heute Nacht, waren seine Träume ganz besonders seltsam. Es war die Shillouette einer Frau, auf einem riesigen pechschwarzen Berg. Wäre es kein Traum gewesen, so hätte er sie wahrscheinlich garnicht wahrgenommen, jedoch war sie in diesem Fall mehr als nur anwesend. Die enorme Energie die ihre Präsenz verkündete, überfuhr ihn förmlich, es war nicht unbedingt unangenehm aber doch etwas beunruhigend, vertraut und doch argwöhnisch.
Die Frau hob ihre Hände dem Himmel empor wo sich eine ungeheuere Menge Wolken ansammelte. Zu seiner Verwunderung blieb der Regen aus, auch gab es keine Blitze dafür ein unheimliches Geräusch, ähnlich wie ein Donner nur viel gewaltiger. Während er dieses Schauspiel elementarer Mächte beobachtete, bildete sich über der Frau eine, aus purem Licht bestehende Säule und etwas in ihren Händen leuchtete grell auf und blendete seine Augen. Wieder, ob gleich es seinem Gemüht nicht zu gute kam, war er von Ehrfurcht und Begeisterung erfüllt und als das Ganze ihren Höhepunkt erreicht zu haben schien, blickte die Frau zu ihm herunter und schank ihm ein trauriges Lächeln. Plötzlich veränderte sich etwas, ihm war nicht bewusst was doch jeder Sinn in seinem Körper brüllte ihm förmlich zu - kehrt zu machen und abzuhauen, doch die fesselnde Macht ihres Lächelns paralysierte ihn.

Grell schien die Sonne durch seine geschlossenen Lider. Das feuchte Gras auf dem er lag, stach ihm in den Nacken und während sich unheimliche Kopfschmerzen ankündigten, nahm er ein lang vermisstes Geräusch wahr. Das harmonische Lied der Vögel um ihn herum, weckte ein äußerst unangenehmes Gefühl das sich Heimweh schimpfte. Heimweh? Woher kannte er dieses Gefühl?
Langsam öffnete er die Augen und versuchte sich aufzurichten. Dies stellte sich als äußerst schwierig heruas nach dem ihm jedes Gelenk und jeder Knochen ihm Körper vermittelte, diese unüberlegte Tat nicht mitmachen zu wollen, blieb er weiterhin auf dem Rücken liegen.
Der Himmel ist so klar ... ich wage garnicht daran zu denken. Ist der Alptraum nun endlich vorbei? Jedenfalls ist dieser unerträgliche Geruch verschwunden. Ich will nicht aufschauen ... einfach hier liegen und in den Himmel starren, für den Rest meines Lebens!
Zuviele Emotionen brauten sich auf - Verwirrtheit, Angst, Erleichterung über die Hoffnung endlich aus dieser Hölle entflohen zu sein. All das drückte auf ihn, wie ein unersettlicher Riese der einfach seinen Spass daran hatte auf ihm herumzutrampeln.
Plötzlich durchfuhr ein Gedanke seinen von Pein gezeichneten Verstand. Hatte er die ganze Zeit über geträumt? Ist das alles was ihn die letzten Tage verfolgte nur ein verrücktes Spiel gewesen dass sich sein Unterbewusstsein mit ihm erlaubte? Schon lange konnte er nicht mehr klar denken, doch jetzt hatte das alles seinen Höhepunkt erreicht. Sein Kopf begann zu pochen. Während seine Umgebung sich in ein erschütterndes Chaos wandte sprang er auf ohne auf die darauf folgenden Schmerzen zu achten und übergab sich.
"Beliat heren siander Feyen", eine fremde Stimme, in unmittelbarer Nähe versetzte ihn in Alarmbereitschaft. Obgleich ihr Klang dem Lied der Vögel ähnelte, er hatte schon genug durchgemacht und war auf eine Begegnung mit dem Fremden nicht gefasst. Der momentane Zustand machte ihn zu einem leichten Opfer.
Sein Blick fuhr hoch, doch konnte er nur Umrisse und Sillhoutten erkennen. In der Richtung wo er zuvor einen Rinnsal wahrnahm, stach eine Gestalt aus dem restlichen Wirrwar das seine Augen wiedergaben hervor. Instinkiv fuhr seine rechte Hand blitzschnell zum Gürtel wo einst sein Schwert hang, doch er fasste ins leere und wunderte sich gleich darauf hin über diese eigenartige Geste. Sein Herz schlug im Takt eines Ochersters während er orientierungslos dem Fremden ausgeliefert war. Schnell setzte Atemnot ein.
"Menel iko gorem ayen to", die Stimme wurde ungewöhnlich sanft. Während das grelle und ungewohnte Licht seine Augen wie eine rostige Klinge zu durchbohren schien merkte er dass der Fremde näher kam. Nach und nach versuchte er verzweifelt seine Gedanken zu sammeln, eine Frau, es war eine weibliche Stimme. Die Statur die er erkannte, während sie sich ihm näherte, bestätigte sein Überlegen.
"Me havee kuno tere to. Telias feromeven to."
Es gibt keinen Ausweg, sollte sie ein Feind sein so bin ich geschlagen. Allerdings hätte sie mich schon längst töten können, wenn sie es gewollt hätte. Ich habe keine Wahl als mich zu ergeben ... ich muss sie um Hilfe bitten. Mein ganzer Köper verleiht mir das Gefühl im nächsten Augenblick sterben zu müssen.
Die weibliche Gesalt war höchstens einen Meter von ihm entfernt. Seine Augen begannen Einzelheiten wahrzunehmen doch sein Kopf war immer noch nicht im Stande sich daraus ein Bild zu machen. Die Fremde ging in die Knie und strecke ihre Hand nach dem Gesicht des Verwundeten aus. Noch immer misstrauisch versuchte er ihr auszuweichen, aber die Kräfte liesen es nicht mehr zu.
"Aueetae me toya Yliafat. Kitaro me tuyutaya to? ... Alvar?"
Was hatte sie gesagt? Alvar? Ich kenne dieses Wort, es weckt so viele Erinnerungen ... mit denen ich nichts anzufangen weiss. Ein Heim, etwa mein Zuhause? Alles ist fremd und doch sah ich es schon mal. Was geschiet mit mir?!?
Tränen rangen über das bleiche Anlitz des Schicksalssklaven. Er entrang der Hölle auf Erden und stürzte sich in seine scheinbare Vergangenheit von der er keinerlei Ahnung hatte, mittlerweille kam es ihm vor als wäre er auf dem Schlachtfeld deutlich besser dran gewesen aber tief in seinem Inneren wollte er einfach dass dieses Spiel wer auch immer es zu treiben wagt, aufhört. Ganz egal auf welche Weise - Sterben, am Leben bleiben es war ihm völlig gleich. Er sammelte seine letzten Kräfte und brüllte so in die Leere hinaus dass ihm die Kähle schlagartig die Luft abschnitt und zu platzen drohte.
Die Fremde solperte nach hinten, fiel hin und trug offensichtlich einen Schock davon so dass sie nur dasaß und mit aufgerissenen Augen den Fremden anstierr.
"Kevoya havee teo jukome to..." fast so leise wie ein Flüstern glitt dieser Satz über ihre Lippen während sie sich aufrichtete und ihre besorgten Augen dem Fremden zuwand. Vorsichtig nährend streckte sie erneut ihre Hand nach ihm aus, diesmal ohne auf Widerspenstigkeit zu stossen und glitt sanft über sein Gesicht. Sie konnte es fühlen, das Leid dieses Mannes, es tat ihr förmlich weh ihn anzusehen.
"Kann verstehen du? Asturia? ... Sprache?

"Okune to. Tekeme jetemoto ... musst essen du."
Die zierliche Gestalt der Waldelfin bäugte sich über das Haupt des Fremden der nun etwas from in die reale Welt zurückzukehren schien. Sein Sehvermögen und die dafür erforderlichen Gehirnströme schienen sich weitgehend preperiert zu haben so dass er nun begann, seine Umgebung wahrzunehmen, allerdings litt sein Orientierungssinn immer noch unter den Ereignissen die ihn in den letzten Tagen geplagt hatten. Kurz zuvor stellte er sich noch die Frage woher das Wissen über die Herkunft seiner Gessellin komme, doch nach dem ihm klar wurde dass sein gegenwärtiges, inneres Dasein ausschließlich aus Fragen solcher Art zu bestehen schien, beschloss er die Angelegenheit vorerst auf Eis zu legen.
Die überaus feinen Gesichtszüge der Elfin, geziert durch dass schimmernd weisse Haar dass ihr bis zur Brust reichte und die strahlend hell-grünen Augen des Waldgeschöpfs vermittelten ihm ein willkommenes Gefühl der Geborgenheit. Es war beinah so, als würde ihre Ausstrahlung eine Glasscherbe über seinem Antlitz hinterlassen so dass die Welt in ihren schönsten Farben aufstrahlte und ihn alles vergessen ließ. Der Kampf, insofern er wirklich kämpfte, verlor nun sein Gewicht. Es war ihm völlig gleich was sich in den letzten Tagen ereignete, würde diese Frau nun einen Dolch rausholen und ihm in die Brust rammen, so würde er aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Lächeln auf den Lippen das Zeitliche segnen in der Gewissheit alles gesehen zu haben wofür es sich zu leben lohnt.
Die Elfin, die damit beschäftigt war eine Mixtur in ihrem Mörser vorzubereiten, bemerkte den hypnotisierten Blick ihres Patienten und entgegnete mit einem gütigen Lächeln womit sie ihn sogleich aus der Traumwelt zurückholte und um eine peinliche Erfahrung bereicherte, es schien ihr jedoch nichts auszumachen.
"Teo Sayate havee fen ma'are ... yhoko ikame kevoya baten!" ließ sie verlauten ohne ihre Lächeln zu zügeln. "Hier ... trink du". Sie reichte ihm den kleinen hölzernen Mörser worin sich die grünliche Substanz befand die noch schlimmer roch als sie aussah.
Der schweigende Fremde nippte an dem Gerät und verzog sogleich das Gesicht doch sein Heiler machte ihm mit einem Blick klar wer momentan das Sagen hatte, also trank er widerspenstig aus und schnitt abermals eine Grimasse die sein Gegenüber offensichtlich sehr belustigte.
Wenn es etwas gibt das schöner als ihre Stimme hallt, dann ist das ihr Lachen.
Wie gern würde er sie nach ihrem Namen fragen, ihr sagen wie wohl er sich in ihrer Gegenwart fühlt. Doch die kalte Erinnerung, die so bruchstückhaft war, dass er nur einzelne Elemente davon wahrnahm und sie sogleich wieder verdrängte, ließ ihn stumm. Da war ein gewisser Umstand den er zwar instinkiv (anders konnte er sich das nicht erklären) verstand, jedoch nicht deuten konnte. Ein grosser Brocken der schwer auf seiner Seele lastete und jeden Laut den er von sich geben wollte, kaltherzich unter sich begrub.
Er durfte sich nicht ablenken lassen, weder von seiner verkrüppelte inneren Welt noch von der Schönheit seines offensitlichen Retters. Irgendwo da draussen gab es Antworten und die musste er ausfindig machen. Doch auf welche Fragen? Ganz egal, es musste weitergehen, alles ist besser als auf einer Stelle zu tretten und darauf zu hoffen dass sich der Rest von selber klären wird. Vielleicht lag es an dem seltsamen Getränk dass ihm die Waldelfin verabreichte, oder einfach an der so eben erfolgten Selbsterkenntniss. Was es auch immer war, es gab ihm wieder Mut. Die Kraft zu Leben und zu Atmen und nach Antworten zu suchen die ihm dies ermöglichen sollten.

Bereits seit Stunden trottete er durch den Wald der Elfin hinterher. Die Mixtur hatte ihren Zweck erfüllt, zwar war er immer noch einwenig schwach und die Glieder schmerzten nach wie vor, doch er hatte die Kraft zu gehen und den Willen dazu. In vielerlei Gedanken versunken, vor allem über den seltsamen Traum den er letzte Nacht hatte aber auch über die Fragen die er stellen würde falls sich eine Gelegenheit ergibt. Eine der interessantesten Ereignisse war jedoch sein Fund denn er am eigenen Körper feststellte kurz bevor sie aufbrachen. Eine Tatuwierung, in form eines Schildes und eines Schwertes dass davor stand, darunter eine Feder mit der Inschrift "Ehre und Stärke". Dieses Symbol weckte ebenfalls eingie Erinnerungen sowie das Banner eines Adlers der eine Schlange hält das er auf dem Schlachfeld ausfindig machte. Dies waren Anhaltspunkte, bedeutende Indizien die ihn sicher weiterbringen würden, er musste nur herausfinden wo er zu suchen hatte.
Das herzhafte Lachen seiner Führung, weckte seine Aufmerksamkeit. Seit etwa einer Stunde schien die Elfin in eine Art Trance verfallen zu sein, seit sie den dichten Teil des Waldes betraten. Sie drehte sich im Kreis, lief von Baum zu Baum, roch an den Pflanzen - ihre Freude und Lebenslust war so kindlich dass er unwillkürlich schmunzeln musste. Sie war glücklich, mehr als das, offensichtlich war sie die Efüllung selbst. Ihre leichtfüssige Art sich zu bewegen und das harmonischen Lied das sie immer wieder sang, ergaben eine Art Tanz, ein Ritual dass sie und die Natur die ihn umgab und völlig kalt ließ, vereinte. Ungewollt blieb er stehen und fing an zu lachen, nach dem was er in den letzten Tagen durchmachte, war diese Geste Gold wert.
Die Elfin unterbrach ihre Drehung, blieb ebenfalls stehen und lächelte zu ihm hinüber. "Magilat to. Me yhoko ne kala!" sagte sie und fuhr noch begeisterter mit ihrem Tanz fort.


1.6 - Von Jägern und Gejagten

Wieder ging ein Tag dem Ende zu und immer noch hatte er keine Beute aufspüren können. Schon vier Meridiane war es her als er aus seinem Lager im Tal in die Berge zog um dem Winter im Lande trotzen zu können. Die Trockenfleischrationen ging bereits zur Neige und der eingebrochene Desander machte die letzten Wurzeln in der Erde ungenießbar. Den ganzen Tag über folgte er einer älteren Pfärte und fand am Ende heraus dass ihm ein Rudel Säbelzähne zuvorgekommen war. Es musste ein prächtiges Tier gewesen sein, darauf deuteten die Spuren eines zweiten Kadavers das offentsichtlich dem Rudel angehörte - allen Anschein nach tobte der Kampf eine ganze Weile und den Spuren zu folge war der Bergbüffel eines der grössten Tiere die Isgrimnur je untergekommen waren. Wäre er dem Rudel zuvorgekommen, hätte es wahrscheinlich für den ganzen Winter gereicht. Doch da er heute erneut keinen Erfolg hatte, war es sehr wahrscheinlich dass ihn auf dem Rückweg das gleiche Schicksal ereilen würde wie es das Rudel dem Büffel zuteil werden lies.
Im lodernden Feuer, lag der muskelbepackte Nordlänger, gehüllt in zahlreiche Fälle und überlegte sich was er Grom wohl sagen würde wenn er ihm in wenigen Tagen gegenüber stehen sollte. Von einer hungrigen Bestie gefressen oder gar erfroren, wenn dass sein Schicksal sein sollte, würde ihn der mächtige Gott lachend von seinem Berg Arreat stoßen und ihn in das entehrte Reich der Toten verbannen wo seine Seele auf Ewigkeiten keinen Frieden finden solle. Er, der gefürchtete Isgrimnur der Dunkle ins Reich der unehrenwürdigen Toten verband. Er der den todbringenden Riesen Herrion besiegte, sich in zahlreichen Schlachten gegen die listigen Fanggolths bewies, die chaosanbetende Schlange der Unterwelt ritt und ihr anschließend, mit eigenen Händen die Augen heruasriss. Das würde Grom niemals zulassen. Er würde Raffzahn bestaunen, Isgrimnurs treues und berüchtigtes Zweihand-Schwert dass er in den Hallen von Baldur im Höllenfeuer schmiedete, ihn ans Feuer der Ahnen bitten und sich seine Geschichten anhören bis der Mond zum siebten mal aufgeht. Dann, wenn ihn die weisen Ahnen als würdig erweisen, tritt er in die Reihen der Krieger von Shambhalla und wird Mahla erneut zum Weib nehmen.
Einen Augenblick lang konnte man dem finsteren Gesicht des Barbaren soetwas wie ein Lächeln entnehmen, doch es verschwand so schnell wie es gekommen war. Ein lautes Geräusch ausserhalb seines Fellenzeltes ließ ihn auffahren und in die kommende Nacht horchen. Zügig aber leise, griff seine Hand nach dem Bündel wo Raffzahn und sein Jagdbogen eingewickelt lagen. Den Vorhang beiseite gezogen, tratt er leise in die finstere und eiskalte Nacht heraus. Nach dem sich seine Augen an die Dunkelheit daußen gewöhnten, richtete er sich langsam auf und sah sich vorsichtig um. Aus der Richtung in der er zuvor das Geräusch wahrnahm, kam ein leichter Wind. Sollte es ein Tier gewesen sein, so war er momentan noch im Vorteil. Einen Fuss vor den anderen setzend, das Bündel mit Schwert und Bogen fest umklammert, tratt er in die vollkommene Dunkelheit dem Wind entgegen.
Etwa zwanzig Meter nach seinem Lager blieb der kräftige Rimmersmann abrupt stehen und ging nach einer Weile in die Hocke. Seine geschulte Nase nahm nun eindeutig Urin wahr. Zwar wusste er dass das Tier sich aller Wahrscheinlichkeit nach schon in den Wald begab, aber es war die beste Spur die der Nordländer seit Tagen hatte. Er hatte Schwierigkeiten bei diesem Wind dem Geruch zu folgen, denn die Richtung wechselte sich ständig, zwar nicht sehr drastisch aber es war doch ein Umstand dem er sich wohl oder übel anpassen musste.
Spuren! Dort vorn sind Spuren! Der Grösse nach zu urteilen musste das ein Hirsch sein und wie vermutet führen sie in Richtung Wald.
Die Götter müssen mir wohlgesonnen sein, solch ein Glück hat man wahrlich nicht alle Tage! Bei dem Gedanken wurde es Isgrimnur warm ums Herz doch er versuchte seine Gedanken zu sammeln und konzentriert zu bleiben. Denn so schnell das Tier kam, es konnte genauso schnell wieder verschwinden. Er durfte sich keinen Fehler erlauben. Schnell band er sich Raffzahn um den Rücken und umklammerte sein Jagdbogen wo er bereits einen nachschwarzen Pfeil bereithielt. Frierend und ein wenig unbeholfen aber durch seinen Fund moralisch gestärkt, ging er langsamen Schrittes weiter in Richtung Wald.

Am Rand der Bäume angelangt, wo der Wind nicht ganz so heftig wütete, wurde es zu dunkel und die Spur verschwand im Laub der Bäume so dass er erneut in die Hocke und angestrengt lauschte.
Seine Lage machte ihm zu schaffen, zum einem war es in den letzten Tagen fürchterlich kalt geworden und zum anderen hatte der Barbar bereits seid Tagen keine Nahrung zu sich genommen. Es fiel ihm reichlich schwer seinen geschwächten Körper konzentriert zu halten doch die Tatsache dass er in den Bergen umkommen würde wenn er den Hirsch entgehen ließ, erübrigte ihm keine Wahl als die letzten Kraftreserven aufzuopfern und sich seiner Umgebung anzupassen.
Ganz und gar in seine Umwelt vertieft vernamm er nun dank des günstigen Windes das Atmen seiner Beute. Sein Hirsch konnte höchsten fünfzig Meter entfernt sein und offensitlich hatte er noch keine Ahnung dass man ihn bereits jagd. Langsam legte er das Lederbündel mitsamt Raffzahn auf den Boden und spannte einen Nachtpfeil. Schritt für Schritt, auf jede Unebenheit unter ihm achtend kam er seinem Ziel näher.
Es war in der Tar ein prachtvolles Tier dass er nun auf einer Lichtung erblickte. Der Waldbewohner badete gerade zu im Mondlicht und gab neben dem Berg Fleisch den Isgrimnur bereits vor sich sah auch noch ein prächtiges Ziel ab. Im Schutze des Schattens, machte er sich auf den bevorstehenden Schuss bereit. Sein Atmen wurde immer langsamer und passte sich dem seines Opfers an. Jeder Muskel seiner Arme war nun darauf ausgerichtet, mit einem Pfeil einen tödlichen Treffer zu landen. Seine Gedanken waren ganz und gar nur auf eine gerade Linie fokusiert, zwischen dem Ansatz seiner Jagdvorrichtung und der Halsschlagader seiner Beute. Plötzlich durchfuhr ihn ein eiskalter Blitz der instinktiv durch eine neue Präsenz hinter seinem Rücken ausgelöst wurde. Der schlagartige Wandel der Situation brachte den Rimmersmann aus der Fassung, sein Atem veränderte sich und die ruckartige Bewegung seines Kopfes in Richtung der eben eingetroffenen Gessellschaft, lösten den gefürchteten Fehler aus und verjagten seine letzte Chance den geweihten Fleischberg zu erlegen bevor er einen unwürdigen Tod erleiden würde.
Ohne großartig zu zögern drehte sich der stämmige Nordländer um und erblickte eine riesige Gestalt die sich nun in voller Größe vor ihm aufbaute. Ein Braunbär gröllte was das Zeug hielt, holte schlagartig aus und schlug Isgrimnur den Jagdbogen aus der Hand wobei der Pfeil knapp am Kopf seines wütenden Gegners vorbeisauste ... so wurde der Jäger zum Gejagten.
Der nun mehr gereizte Barbar, sprang einen ganzen Meter weit nach hinten, zog seinen Jagddolch und stürmte sogleich auf die Ursache seines Missgeschicks. Erneut holte der Braunbär zu einem Schlag mit seiner Rechten aus doch Isgrimnur stürzte sich in eine Rolle und entging dem wuchtigen Arm des Bären, jagte seinen langen Dolch in das fellbepackte Haupt und sprang sofort wieder kampfbereit auf die Beine
Das Biest stieß einen schrecklichen Laut von sich der sogar den Nordländer zusammenzucken ließ und ging wieder auf alle vier runter. Während sich der Verwundete noch vom dem eben erlittenen Schlag erholte, sprang Isgrimnur schreind auf den Rücken seines Gegners und Griff nach dem Dolch der immer noch fest in der Wunde sass.
Die verfluchte Klinge steckt in den Rippen fest ... das ist mein Ende!
Der Krieger war bestürzt über diesen amateurhaften Fehler und würde sich wahrscheinlich in Grund und Boden schämen wenn er nicht gerade auf dem Rücken eines achthundert Pfund schweren Braunbären, der gefürchtetsten Bestie des Waldes, seine letzten Atemzüge zubringen würde. Eine verzweifelte Überlegung ergab seine letzte Option und er ergriff diese - schnell die Arme um den Hals der Bestie geschlunge, drückte er nun noch lauter schreiend aus letzter Kraft die aus seinen Knochen dahinschwand. Der Bär, der über diese Handlung offensichtlich nicht erfreut war, begann aus aller Wucht den Haupt seines menschlichen Gegners wie eine Marrionette durch die Gegend zu schleudern. Schreiend prallte der Barbar gegen einen Baum und hörte wie einige seiner Rippen unter der gewaltigen Wucht des Aufpralls brachen. Den Schmerz verspürte er erst richtig als seine eben verstümmelten Rippen auf dem harten Boden aufkamen, doch der fürchterlich und eben barbarisch hohe Adrenalinspiegel verdrängte den Schmerz wieder und ließ ihn stolpernd aufstehen.
Raffzahn! Fünfzig Meter! Muss ich schaffen!
Schoss ihm in dem ganzen Durcheinander gerade noch so durch den Kopf so dass er schlagartig die Richtung wechselte und dabei beinah umfiel. Immerzu stolpernd lief der Nordländer in Richtung Waldrand wo er seinen treuen Diener abgelegt hatte mit einem wütenden Bären im Schlepptau der ebenfalls keine Zeit zu verlieren schien und die Distanz zwischen ihm und seinem Opfer stets verringerte.
Gerade als sich die letzten Kräften auf den Weg zu machen schienen, sah Isgrimnur seine Klinge im Mondschein aufblitzen. Der Bär war nun unmittelbar hinter ihm und greifte bereits nach seinen Fersen immer wenn sich die Gelegenheit ergab und der Norländer aus dem Gleichgewicht kam. Nur noch fünf Meter, vier, drei und er sprang, griff noch während des Fluges nach der Klinge und drehte sich um die eigene Achse, bevor er hart auf dem Boden ankam. Raffzahn, dem Himmel empor gerichtet, stürzte sich die riesige Gestalt seines Verfolgers in ihrer voller Masse auf ihn und bedeckte ganz und gar Isgrimnurs geschwächtes Haupt.


1.7 - Landratten an Bord

Der Geruch von Salzwasser und feuchtem Holz drang in Azadors Nasenhüllen und holte ihn nun endgültig aus seinem unruhigen Halbschlaf in den er bereits seit Stunden verfallen war. Langsam öffnete er blinzelnd die Augen. Die Sonne schien ihm direkt ins Gesicht und trotz der Gewissheit dass es mittlerweile Tag war befand sich seine Umgebung im Dunkeln. Er lag in einem Raum aus altem knarrenden Holz und nahm nun wahr dass die Decke ein Gitter darstellte das teilweise Sonenstrahlen auf den harten Boden unter ihm warf. Allmählich wurde ihm bewusst dass der Raum sich bewegte, wie auf eine Waage wurde er hin und her gewiegt. Und als sich bereits die Vermutng ankündigte dass er sich immer noch in einem Traum befand, erklang eine vertraute Stimme die direkt aus der Dunkelheit zu kommen schien.
"Sie haben uns auf ihr Schiff gebracht und offensichtlich unter Deck geschlossen...", es war Pitlith der in einer dahinvegitierenden Haltung zusammengekauert in einer Ecke sass und sich mit dem gewohnten sarkastischen Unterton über ihre peinliche Situation aufreggte.
"So? Weisst du vielleicht wann das Frühstück serviert wird?", Azadors Stimme klang trocken und alles andere als munter, so fühlte er sich auch - ausgetrocknet und schwach, doch seinen Humor konnte ihm nichts und niemand rausprügeln.
Ptlith reagierte mit einem, eher entrüsteten Lächeln und fuhr sich mit der Hand durch seine raben-schwarzen Locken. "Es sind keine lausigen Schmuggler wie du angenommen hattest, das hier sind waschechte Piraten - Halsabschneider aus der Black Mark. Ich wundere mich warum wir überhaupt noch am Leben sind. Wahrscheinlich ist der Gangway-Haifütterungsgang auf heute Abend verschoben worden."
So ungern es der Elfe auch zugab, sein Freund hatte Recht. Die Gesetzeslosen aus der Black Mark, waren für ihre ungeheure und ebenso unmenschliche Brutalität bekannt, doch sich nun darüber Sorgen zu machen wäre äußerst unangebracht und vor allem zu spät. Unwillkürlich und eher spontan fragte er sich was sein Vater in solch einer Situation unternehmen würde. Wenn gerade ein Barde zugegen sei, würde die Antwort auf seine Frage aller Wahrscheinlichkeit nach wie folgt lauten - er würde einen Dietrich aus seinen Haaren hevorholen, das Gitter öffnen, ein oder zwei Fässer Wein unter die Schulter packen und saufend und singend davonschimmen, während die Piraten ihm wütende Blicke hinterher warfen. Dass die Realität jedoch anders aussah, erkannte er nun mehr als deutlich. Es gab keinen Dietrich in den Haaren oder den üblichen Körperöffnungen und alles was er zu trinken hatte, war das salzige Meereswasser dass ab und an durch das Gitter auf ihn herunter prasselte. "Ja, ich weiss ... Piraten. Cascardier wenn mich nicht alles täuscht."
Zuerst mit einem Nicken bestätigend sprang sein Zellenmitbewohner auf und warf Azador einen zornigen Blick zu. "Du weisst ... was soll das heissen. Ich meine ... wusstest du dass es Piraten sind!? Hast du das die ganze Zeit über gewusst?".
"Ja ... ich meine zuerst dachte ich es seien Schmuggler. Doch als sie sich als Piraten entpuppten, war's bereits zu spät. Ich wollte dich nicht unnötig aufregen", Azador fühlte sich schuldig, beinah wie ein Verräter stand er seinem Freund gegenüber. Pitlith hatte natürlich das Recht es zu erfahren und es tat ihm leid.
Das nun noch mehr überraschte Gegenüber, verlor nun völlig die Fassung und fing an in der kleinen zwei mal zwei Meter Zelle auf und ab zu gehen. "Ich fasse das einfach nicht! Wie konntest du mir das verheimlichen. Ich meine ... wir sind doch Partner. Wieso hast du das ...".
"Eben aus diesem Grund!", unterbrach ihn der Elfendieb. "Weil ich genau wusste dass du wieder ausflippen würdest. Ich meine ...", er hielt kurz inne und atmete aus, dann setzte er erneut an "Dreihundert Kronen! Für einen lausigen Kelch! Zu dem Zeitpunkt erschien es mir eben richtig, dir erstmal nichts zu verraten."
Pitlith starrte seinen Partner eine Weile an. Es fiel Azador reichlich schwer seinem schuld-einflössenden Blick zu trotzen, da wand sich der lockige Dieb ab und kauerte sich wieder in seiner Ecke zusammen ohne einen Laut von sich zugeben.
Wenn Azador Kherim' anhtun sich zuvor lausig gefühlt hatte, so war er jetzt völlig entrüstet. Ihm wurde klar in was für eine Situation er bewusst seinen besten und einzigen Freund und Partner reingeritten hatte. Und wenn ihm nicht schleunigst etwas einfallen sollte, würde er diese Tat niemals wettmachen können. Da warfen plötzlich zwei Gestalten über dem Gitter einen Schatten ins Innere des Raumes. Pitlith, immer noch in seiner Ecke sitzend, schaute kurz auf und versteckte sich wieder. Der Elfe hielt jedoch den Atem an und lauschte.
"Sir, die Beiden sind wach. Ich sollte euch davon unterrichten", sagte der eine in dem Azador den Botsmann verdächtigte.
Die andere Gestalt, die offensichtlich der Kapitän des Piratenschiffs war, blickte kurz herunter und enthüllte dem Gefangenen seine dunklen, violetten Augen. Kein Halbelf, es war ein Halbdrow, sowas sah man wahrlich nicht alle Tage dachte der Dieb bei sich.
"Gut. Bringt dem Menschen zu Essen und holt mir den Elfen an Deck. Begleitet ihn anschließend in meine Kajüte, ich will mit ihm reden." sagte der Dunkelelf und entfernte sich rasch.
Daraufhin rief der Botsmann einige Matrosen zu sich und nach kurzer Zeit hoben sie das massive Holzgitter. Die pralle Sonne erhellte nun endgültig den kleinen Raum, so das Pitlith der sich bisher vorwiegend ihm Schatten aufhielt (dort wo er sich wohl fühlte) zusammenzuckte und überrascht nach oben spähte. Zwei der vier Männer, unter ihnen auch der Botsmann sprangen zu den beiden Gefangen hinunter und wiesen Azador an, sich aufzurichten. Als Pitlith das Gleiche zu tun gedenkte, warf ihm der stämmige Ork von Botsmann einen finsteren Blick zu und schickte seine Begleitung mit der Schüssel Eintopf zu dem Menschen hinüber. Azadors Partner wirkte nun noch mehr vewirrt, doch der Elf gab ihm zu verstehen dass er hierbleiben sollte. Er selbst folgte dem übelrichenden Botsmann ans Deck.
Das Schiff entpuppte sich als eine zwei Mastige Karavelle, mit einer riesigen Balliste auf dem Achterdeck, vielen Arbaletten an der Reling und etwa achtzig Mann Besatzung (für ein Pirtanschiff üblich da sie selten viel Ware zu transportieren hatten). Die Meute der Schiffscrew war so frabenprächtig dass Azador kaum die Zeit blieb, sich ein Bild davon zu machen woher auch nur die Hälfte der Männger stammt. Man sah Orks, schuppige Männer vom Echsenvolk, Hassity mit ihren katzenhaften Mienen, sogar einen vom Rimmersvolk konnte Azador erspähen, diese Art von Gessellschaft sah man sonst nie auf hoher See da das Nordvolk schon immer eine Abneigung gegen die Seefahrt hatte und lieber in den Bergen blieb, so weit wie möglich vom Wasser entfernt. Und bevor er auch nur ansatzweise das verarbeiten konnte, was ihm der Anblick bot, stieß ihn der massige orksche Begleiter mit voller Wucht in die offene Tür der Kajüte. Azador, dem ohnehin schon sämtliche Gelenke schmerzten, kam nun äußerst unsanft auf dem Boden der Kapitänskabine an und hustete sich die Luft aus den Lungen. Da erblickte der Dieb einen blanken Lederstiefel auf seiner Augenhöhe und richtete sich auf.

#2:

Anyndir

Wanderer

Points: [480]

Wie es sich heraustellte war der Kapitän gut einen Kopf grösser und somit noch ungewöhnlicher als Azador angenommen hatte, er beschloss jedoch sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen und verdrängete seine Verwunderung in dem er ihn starr und selbstsicher in die Augen sah. Nacht-blaue und leicht schimmernde Äfpel beäugten ihn von Kopf bis Fuss. Ein äußerst gepfelgter Mann dessen Aufzug so ganz und gar nicht zum Rest der Manschaft passte, stand dem Dieb gegenüber. Ein in der Front zu einem Dreieck gefallteter schwarzer Hut unter dem noch schwärzeres, pflegtes Haar ihm bis an die Brust reichte, weisses Hemd aus thikanischer Seide (nahm der Elf an) und ein dunkel-blau,- schwarzes Jacket mit Manchetten-Knöpfen ließen den Halbdrow beinah clisheehaft erscheinen, jedoch nicht für einen Piraten, viel eher ähnelte er einem Kopfgeldjäger auf See. Der Anführer weiste mit einer kurzen Handgeste, seinem Botsmann an die Kajüte zu verlassen und ging sogleich zum hinteren Teil des Raumes, Azador folgte ihm.
Ein langer halb-gedeckter Tisch, der offensichtlich zum Speisen und Kartenzeichnen diente, stand in der Mitte des rundförmigen Endes der Kabine. Neben den allerlei Gerätschaften, einer Gitarre die in der Ecke ihr Dasein verweilte und vielen Komoden fiel Azador das einzige Gemälde ins Auge dass den Raum schmückte. Es war eine Elfin, in einem Seidenkleid, gewiss aristokratischer Herkunft die hoffnungsvoll aus dem Fenster in die offene See starrte, während eine Karavelle davonsegelte.
"Sie ist wunderschön, nicht wahr?", die abrupte Bemerkung des Drow, beförderte den Elfen wieder in die Realität zurück. Der Kapitän sass mittlerweile am Tisch, legte sein Rapier beiseite und speiste in Ruhe ohne sein Blick auf Azador zu richten. "Setz dich, meine Männer haben uns ein Mal zubereitet dass man hier so bald nicht wieder genießen kann wenn die Vorräte erstmal aufgebraucht sind."
Etwas unsicher gesellte sich der Dieb zu seinem Gastgeber ans andere Ende des Tisches wo man ebenfalls für ein Mal gedeckt hatte und schenkte sich etwas Wein in seinen Kelch.
"Ihr befindet euch auf der Liberate Asturia, ich bin Kapitän Anyndir Kitaro Am'un und an Bord dieses Schiffes bist du ein Gefangener", zum ersten Mal seit sie am Tisch sassen, blickte er auf und nahm einen Schluck alvarischen Weines ohne die Augen von dem Elfen abzuwenden. "Da wir jetzt unsere Standpunkte geklärt haben, sagst du mir wie du heisst und warum du mich um meinen Grall bringen wolltest."
Azador der gerade ebenfalls an seinem Kelch nippte, wurde einwenig durch die plötzliche Offenheit überrollt und starrte erstmal eine Weile auf das Gemälde um zu überlegen wie er antworten sollte ohne seine Gelassenheit zu verlieren. "Mein Name ist Azador Kherim' anhtun, ich bin ein Dieb und habe nach den Anweisungen meines Auftraggebers gehandelt. Ich kenne weder seinen Namen noch weiss wie er aussieht. Die Aufgabe bekam ich und mein Partner während wir uns auf der Old Balada aufhielten ... soviel zu meinem Standpunkt.", gleich darauf bereute er seinen Konter auf diese Weise beendet zu haben doch der Kapitän ließ sich nichts anmerken.
Anyndir legte das Besteck beiseite, wischte sich den Mund mit einer Serviette und blickte dem Elfen noch intensiver in die Augen "Was weisst du über den Grall Azador?".
"Es ist ein Kelch...", entgegnete sein Gegenüber "mehr brauche ich nicht zu wissen."
Nach einer Weile des Schweigens und des Anstarrens dass dem Gefangenen immer mehr auf die Nerven ging, begann Anyndir abrupt zu lachen. "Du gefällst mir!" sagte er nach dem sein Lachen ein ebenso abruptes Ende fand "In der Tat, ein Mann der nicht zuviele Fragen stellt und sein Ziel stets im Auge behält. Das sind die Eigenschaften die ich brauche."
Nach dem das gesagt war, speiste der Kapitän in Ruhe weiter ohne auch nur ein Wort zu verlieren. Er wollte dem Dieb zeigen wer hier das sagen hatte und wie wenig ihm sein Leben bedeutet und das machte er gut. Nach etwa fünf Minuten des stillen, gemeinsamen Speisens hielt es Azador nicht mehr aus und fragte.
"Ich verstehe nicht ganz, was soll das heissen - die Eigenschaften die du brauchst?".
Der Kapitän stand auf und ging zu einer hölzernen Kommode die sich unter dem Gemälde befand. Er holte ein scheinbar uraltes Pergament hervor und klatsche es dem Dieb vor die Nase.
Seltsame Muster und Objekte zierten das alte Dokument und irgendwo zwischen den antiken Glyphen und Formeln entdeckte Azador eine Abbildung deren Umrisse dem Kelch oder auch dem Grall wie ihn frt Kapitän bezeichnete, ähnelten. "Daraus werd' ich nicht schlau. Ich bin nur ein Dieb und kein Gelehrter."
Ohne auf seine Bemerkung zu reagieren fuhr Anyndir fort "Du wirst für mich arbeiten. Wenn du deine Sache gut machst, lasse ich dich und deinen Freund vielleicht am Leben, baust du Mist werdet ihr beide als Haifutter enden. Mehr brauchst du im Moment nicht zu wissen!". Der Drow packte sich die Gittare und ließ sich wieder an seinem Platz nieder während er ein altes alvarisches Lied anstimmte und leise dazu sang, in einer Sprache die Azador völlig fremd erschien, dachte der kleine Dieb leise über seine Situation nach.
Haifutter! Das ist das Schicksal des berüchtigten Diebes Azador der es nicht fertigbrachte einen bescheurten Kelch zu klauen. Pitlith wird mich wohl für den Rest meines Lebens hassen, jedoch wenn ich bedenke wie kurzen dieser Rest eventuell ausfallen könnte ist das wohl halb so schlimm. Mir bleibt keine Wahl, ich muss für den Drow schuften und die Sache wieder ins Lot bringen bevor es zuspät ist. Das bin ich Pitlith schuldig und verdammt noch mal, mir selbst bin ich das auch schuldig ... Dreihundert Goldkronen, beim dunklen Tun'ageris, WIR WAREN SO NAH DRAN!


1.8 - Waldgeister

Verborgen, im Schatten der riesigen Bäume, die so alt zu sein schienen wie der Wald selbst, suchte die Sonne errötet über den Verlust der Schlacht gegen die Dämmerung, ihre Unterkunft hinter dem Horizont. Die Luft in diesem, mit Abstand dichtestem Teil des Waldes füllte sich mit einem rötlichen Dunst der wie das morgendliche Tau, sanft und unbeholfen und doch füllend und ein wenig schwer seine Presänz weitgehend ausweitete. Nach und nach bildeten sich daraus Umrisse die jede Sillhouette eines einzelnen Astes so sanft wie eine Feder betonnten. Und durch das rythmische Summen der Grillen, dass sich immer mehr zu einem Orchester formte, hörte man Schritte.
Der Fremde staunte über die Lautlosigkeit seiner Begleitung die sich dabei nicht sonderlich viel Mühe zu geben schien. Seit die Sonne zum ersten Mal den Horizont küsste, unterbrach die Elfin ihren seltsamen Tanz und verfiel fortan in ein Schweigen dass so leise war wie die Stille selbst. Es kam ihm beinah so vor, als befürchtete sie den Wald zu wecken der sich gerade in seinen Schlaf wiegte. Höflichkeitshalber beschloss er das Gleiche zutun, tat sich jedoch ab und an ziemlich schwer damit durch die Unebenheiten des Waldbodens zu stapfen, ohne dabei einen Laut von sich zu geben. Seiner momentanen körperlichen Verfassung nach hatte die Wirkung des Trankes vor etwa einer halben Stunde nachgelassen, und während sich erneut schreckliche Kopfschmerzen ankündigten, verfiel er in eine bedrückende Melancholie die so schwerfällig war dass er beinah weinen musste.
Es hatte ja alles doch keinen Sinn. Er schritt durch eine ihm völlig fremde Welt, keinem sichtbaren Zeil entgegen, einer ebenso unbekannten Frau nach die sich scheinbar damit zufrieden gab wenn sie einmal täglich durch den Wald stapfte, Lieder sang und an jeder Blume roch der sie begegnete. Vielleicht sollte er auch mal ein Paar Blumen beschnuppern oder das Tanzbein schwingen, dann stimmen wir noch ein Lied an und schon ist die Welt wieder im Reinen - bei diesem Gedanken fiel ihm ein dass er weder ein Lied anstimmen konnte, noch im Stande dazu sich bei seiner Begleitung über ihr eigentliches Ziel zu erkundigen. Wie ein kleines Kind dass man irgendwo im Wald absetzte und das einem anderen begegnet dass sich scheinbar schon vor Jahren damit abgefunden hatte und zu einem Naturfetischist mutierte. Abwarten, noch einpaar Jährchen in einem Baumhaus und es würde nicht lange dauern bis auch er mit einem Lendenschutz durch die Büsche saust, Frösche grillt und komisches eigenartiges Kraut in seinem Mörser mahlt, was kann man sich denn noch wünschen. Nach dem ihm klar wurde dass er im Grunde nur einen Wunsch hatte, sich zu erinnern, schob er die Gedanken beiseite und gab sich wieder seinem Sarkasmus hin, wenn er schon nicht im Stande war mit der Sitaution fertig zu werden, dann sollte er wenigstens darüber lachen.
Nach etwa eine weiteren Stunde als die Nacht entgültig siegte, blieb die Elfin abrubt stehen. Ihr Begleiter, immernoch im Gedankenfluss versunken, nahm dies nicht wahr und konnte nicht anders als sie im letzen Augenblick noch anzurempeln. Gereizt über sein Missgeschick und die Röte die er auf seinem Anlitz spürte, lies er sich auf den Boden fallen begleitet vom leisen Kiechern der Waldbewohnerin. Der Fremde setzte sich auf und wollte gerade aufstehen, da merkte er dass die Elfin in die Knie gegangen und etwas vor sich hinmurmelte. Zwar nahm er sich vor nicht mehr über die Eigenarten seiner Begleitung zu staunen, doch im Moment verlor dieser Vorsatz sein Gewicht als plötzlich Windstöße aus allen Richtungen ankamen und schrecklich laut die uralten Bäume knarren ließen. Die immer noch knieende Elfin schien keinerlei Notiz davon zu nehmen und murmelte weiter, als sich plötzlich eine Art Pfad aus schimmernd-silbernem Mondlich vor ihnen ausbreitete. Erst jetzt merkte der ahnungslose Mensch dass die Bäume um sie herum ihre Stämme zu Seite geneigt hatte sodass Licht in den Wald drang. Plötzlich sprang die Elfin mit einem Freundensschrei auf und erinnerte den Fremden daran dass sein Mund sperrenweit offen stand. Offensichtlich freute sie sich über etwas, so ähnlich wie am Nachmittag, was jedoch blieb ihm ein Rätsel. Während er noch grübelte und sich die Gedanken zu sammeln versuchte, sprang die Elfing auf ihn zu und schlang ihre Arme um ihn ohne ihre Freude abklingen zu lassen.
"Lass sie in Ruhe, Mensch!"
Die Simme kam so plötzlich, praktisch von überall dass der Fremde instinktiv seine Last von sich stoss und erneut ins leere nach seiner Klinge suchend griff. Das ebenso überraschte Mädchen stierr zuerst ihm in die Augen, drehte ihr Haupt dann hastig um sich und begann erneut in ihrer Sprache zu sprechen.
"Heren Tesayen to? ... Ne havee Muat!"
"Ein Freund? Wer ist er, dass er sich einen Freund nennen kann!?" Die Stimme erschien dem Namenlosen nun noch furchterregender, bessergesagt war es nicht die Stimme selbst, sondern die Art wie sie von ihrem Besitzer gebraucht wurde. Weise, überlegen, stark und zugleich vor Wissen protzend. "Antworte mir Mensch!".
Das eflische Mädchen rappelte sich auf und sprach erneut in ihrer Sprache sodass der Fremde nur Vermutungen anstellen konnte, was sie dem Neuankömmling gerade mitteilte. "Ne etiagaia meniador te aueen ko me!"
Nach einem flüchtigen Augenblick der Stille tratt eine weitere Gestalt aus dem Dunkel des Waldes ins Mondlicht hervor. Es war ein verhältnissmäßig älterer Elf der in einer Robe dem Fremden gegenüberstand, er konnte zwar nicht mit seiner Größe protzen, dafür aber mit seiner sicheren Haltung und seinem hinterfragenden Blick. "Du sagst, du überlebtest die Schlacht im Sichelgebirge? Wie kann dass sein, meinen Berichten zu folge hatte keine lebende ... menschliche Seele diesen Ort je wieder verlassen. Du bist entweder ein Lügner oder ein lebendes Wunder."
Scheinbar immer noch auf eine Antwort wartend, stierr ihn der kleine Elf an. Doch das Mädchen ergriff wieder das Wort. "Havee wayen, yhoko meniadore okuneate asturia. Ne kitas kiate aueen."

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